Feuilleton

Absonderliche Gleichnisse

Von Ralph Sobetz

In den folgenden sieben Gleichnissen begegnen Ihnen: ein unterschätztes Krokodil, einige verschworene Bergsteiger, ein paar ungebetene Gäste, ein übereifriger Handwerker, eine ganz neue Freizeitbeschäftigung, ein intellektueller Bürokratenzirkel und ein vertrauenswürdiger Nachbar.

Das Streicheltier

Ein Kindergarten hält ein kleines Krokodil als Streicheltier. Manche Eltern äußerten diesbezüglich Bedenken, doch wurde ihnen beschieden: Krokodile fressen keine Kinder, außerdem sei dieses noch zu klein dazu. Doch wider Erwarten wächst das Krokodil, und eines Tages fehlt die Katze. Die Kindergartenleitung verlautbart, das Verschwinden der Katze hätte nichts mit dem Krokodil zu tun, weiters habe dieses weder zugenommen, noch sei es gewachsen. Eltern, die mit Waagen und Maßbändern anrücken, werden mit beleidigter Miene als crocophob abgewiesen.

Doch intern wird beschlossen, das Krokodil auf rein pflanzliche Ernährung umzustellen, um dem Verschwinden weiterer Streicheltiere vorzubeugen. Bedauerlicherweise bewirkt dies genau das Gegenteil: Kaninchen, Schoßhund und Zwergziege verschwinden spurlos, während das Krokodil dicker und länger wird. Ein Sprecher beruhigt: Krokodile seien Pflanzenfresser; ein Zusammenhang zwischen dessen unbestätigter Zunahme und den bedauerlichen Einzelfällen könne folglich ausgeschlossen werden. Eltern, die vorschlagen, das Krokodil doch endlich in den Zoo zurückzubringen, wo es hingehöre, werden von der Kindergartenverwaltung als radikale Extremisten bezeichnet.

Zum Entsetzen aller fehlt eines Tages ein Kind. Als es die Kindergartentante schließlich findet, hängt noch ein Arm aus dem Maul des Krokodils. Alle schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und fragen sich, wie es so weit kommen konnte. Wer hätte ahnen können, dass Streicheltiere Kinder fressen? Die Kindergartenleitung drückt den Eltern ihre tiefste Betroffenheit und Anteilnahme aus: Man werde die Kinder künftig im Umgang mit Krokodilen schulen.

Die Gemeinschaft

Zum Wochenende lädt Sie ein Freund zu einer Bergfahrt in geselliger Runde ein. Vor dem Aufbruch stellen alle ihre Rucksäcke vor Ihnen ab und gehen los. Jeder hier habe seine Aufgabe, erklärt Ihr Freund, Ihnen falle die vergleichsweise einfache zu, die Rucksäcke der Teilnehmer den Berg hinauf und hinunter zu tragen. Andere hätten bereits wichtigere Aufgaben. Bald erkennen Sie, worin diese bestehen.

Während sie unter zahlreichen Rucksäcken wanken, geht ein Kamerad vor Ihnen her und sagt, wohin Sie steigen dürfen und wo nicht. Ein anderer folgt Ihnen und überprüft, ob Sie sich daran halten. Ein dritter legt ihnen Steine in einen der Rucksäcke, sooft Sie daneben treten. Andere laden weitere Bergsteiger ein, Ihnen deren Rucksäcke aufzulegen. Einer zählt den Takt vor, wieder andere überprüfen Ihre Aufstiegsgeschwindigkeit. Einige, deren Aufgabe Ihnen unklar bleibt, meinen, Sie verzögerten den Aufstieg, andere, es mangle an fähigen Trägern in den Bergen.

Am Gipfel wird die Abhaltung einer zünftigen Jause beschlossen. Aus den Rucksäcken kommen Motoröl, Wörterbücher und ein Haarfön zum Vorschein. Es stellt sich heraus, dass niemand Essen eingepackt hat, außer Ihnen. Rasch ist man sich einig: Aufgrund Ihrer bevorzugten Lage gegenüber den Hungernden sei es nur gerecht, Ihre Jause unter allen Anwesenden aufzuteilen. Einige beschweren sich, dies sei doch arg wenig für so viele, und regen an, Sie mögen das nächste Mal doch bitte mehr mitnehmen.

Nach dem Abstieg meint Ihr Freund, es sei zwar nicht alles völlig glatt gelaufen, aber das würden Sie sicher noch hinbekommen, und lädt Sie für die Folgewoche zu einer weiteren Bergfahrt ein. Als Sie ermattet abwinken, ist er entsetzt. Den anderen zugewandt verlautbart er, Sie seien das Urbild des Eigenbrötlers und Abweichlers, der die Bedeutung des gemeinschaftlichen Zusammenhalts im Gebirge nicht begreife. Menschen wie Sie seien es, an denen das Bergsteigen kranke.

Die Gäste

Sie kommen nach Hause, und auf Ihrem Sofa sitzt ein fremder Mann. Der teilt Ihnen mit, er wohne ab nun hier, doch sei zu bemängeln, dass der Inhalt Ihres Kühlschranks keineswegs seinen Vorstellungen entspreche. Auch die Bilder an der Wand habe er bereits abgehängt; diese seien ihm schlicht unzumutbar gewesen. Am schlimmsten jedoch sei Ihr Schlafzimmer, was er dort gefunden habe, widerspreche allen guten Sitten.

Anderntags kommen Sie nach der Arbeit mit den gewünschten Lebensmitteln heim, doch es reicht kaum, denn nun sitzen da zwei Männer, die sich blendend unterhalten, während Sie zu kochen beginnen. In den folgenden Tagen trifft zahlreiche Verwandtschaft ein: Brüder, Tanten, Nichten und Enkel, und der Kühlschrank leert sich rascher, als Sie nachkaufen können. Aufgrund des zunehmenden Gedränges in Ihrem Schlafzimmer wechseln Sie in die Abstellkammer. Für Sie ist das eine Frage der Menschlichkeit.

Bald erkennen Sie Ihr Zuhause nicht mehr, an Schlaf ist kaum noch zu denken, die Gäste kommen und gehen, Bad und WC sind belegt, Ihre Sachen verschwinden. Sie strengen sich an, den zahlreichen an Sie herangetragenen Forderungen nachzukommen, während die allgemeine Unzufriedenheit mit Ihnen spürbar wächst. Eines Tages schaut Sie jemand zwischen Tür und Angel an und fragt, wer Sie seien und was Sie hier zu suchen hätten. Dort sei die Tür.

Das Loch im Knie

Sie sitzen bei Kaffee und Kuchen, da tritt jemand an Sie heran mit dem Ansinnen, Ihnen ein Loch ins Knie zu bohren. In der Hand hält er einen Akkuschrauber und ein Set Metallbohrer, aus dem er eben einen Durchmesser zu wählen scheint. Sie antworten, der Zeitpunkt sei gerade ungünstig, ein andermal vielleicht. Das Gegenüber ist verblüfft. Wieso wollen Sie kein Loch ins Knie? Jeder hätte heutzutage doch schon ein Loch im Knie! Was würden alle anderen sagen, wenn sie erführen, dass ausgerechnet Sie kein Loch im Knie wollten? Sie sagen, gut, Sie überlegen es sich noch, und wenden sich wieder Ihrem Kaffee zu.

Jetzt wird der der Mann ernstlich böse. Sie hielten sich wohl für etwas Besseres! Er bestehe darauf, Ihnen ein Loch ins Knie zu bohren, denn das sei schließlich im Sinne aller. Andernfalls mögen Sie bitte schriftlich erklären, wie Sie zu dem eigennützigen Wunsch kämen, kein Loch ins Knie gebohrt zu bekommen wie alle anderen. Im Übrigen seien diese durchweg restlos zufrieden damit. Nachdem Ihre Ruhe nun schon einmal dahin ist, werden Sie nun ihrerseits ungehalten und schicken den Mann mit einigen begleitenden Worten fort.

Am nächsten Tag lesen Sie in der Zeitung, welch Unmensch Sie seien. Sie seien ein Hasser, ein Feind, ein Mörder, genau die Art von Mensch, die kleine Kinder lebend am Grill röste, um sich an deren Geschrei zu erfreuen. Als Sie feststellen, dass man ihr Telefon stillgelegt, ihr Bankkonto gesperrt, ihren Arbeitsplatz gekündigt und das Sorgerecht für Ihre Kinder der Öffentlichkeit übertragen hat, fliegt mit einem Klirren ein Stein durch Ihr Fenster.

Die Behämmerten

In einem fernen Land ist es Brauch, dass sich die Leute mehrmals täglich mit dem Hammer auf den Kopf schlagen. Infolgedessen liegen alle beständig mit Kopfschmerzen darnieder, und in weiterer Folge ist in diesem Lande alles so schrecklich, dass die Menschen in Massen daraus flüchten müssen.

Sie flüchten um die halbe Erde, in ein Land, in dem sich niemand mit dem Hammer auf den Kopf schlägt. Und sie stellen fest: In diesem Land ist alles viel besser, hier gefällt es uns, nur eines sagt uns gar nicht zu, nämlich dass sich niemand hier mit dem Hammer auf den Kopf schlägt. Ihr erstes Anliegen ist es also, ihre Angewohnheit im neuen Land zu verbreiten. Einige beginnen, Hämmer zu verteilen, denn das ist das einzige, das sie aus ihrem Heimatland mitgebracht haben.

Doch einige der Gastgeber lehnen es rundheraus ab, sich mit dem Hammer auf den Kopf zu schlagen. Das habe noch kein Land vorangebracht, es sei eine ganz und gar schädliche Unsitte, die genau zu dem Elend führe, das dort herrsche, wo sie verbreitet sei. Man erkenne das bereits an den gestiegenen Kosten für Pflaster und Verbände und den steigenden Krankenständen. Andere hinwieder werfen diesen mangelnde Gastfreundschaft vor und suchen Wege zu einem gemäßigten Kopfhämmern miteinander. Sie machen sich Gedanken, wie den Flüchtlingen zu helfen sei: Mit Stahlhelmen? Mit Gummihämmern? Einer schlägt sogar vor, jeder im Gastland – jeder – solle sich mit dem Hammer auf den Kopf schlagen, als Zeichen der Einigkeit und Zusammengehörigkeit mit den Menschen, die dies aus Überzeugung tun.

Schmerzmittel und Verbände werden zur Mangelware, die Fehltage steigen in ungekannte Höhen, die Wirtschaft des Landes liegt darnieder, denn sie leidet gleich mehrfach. Schließlich platzt einem der Gastgeber der Kragen: Das Leben sei besser gewesen, bevor man angefangen habe, sich mit Hämmern auf den Kopf zu schlagen. Die Neuankömmlinge mögen bitte damit aufhören, oder ansonsten in ihre Heimatländer zurückkehren. Wenn sie ihr Elend in das Gastland hineintrügen, sei am Ende niemandem gedient.

Da ist das Geschrei groß: Dieser weltfremde Vereinfacher sei ein Gegenstand des Hasses erster Güte, er sei eine große Peinlichkeit für sich selbst und die ganze Welt. Man möge ihn bitte zum Schweigen bringen; man habe Wichtigeres zu tun, wie etwa gemeinschaftlich neue Wege des gemeinsamen Kopfhämmerns zu finden.

Die Werktätigen

Es geht darum, einen Nagel in die Wand zu schlagen. Einige schlagen vor, den Nagel mit einer Strandsandale einzuschlagen, andere empfehlen, es mit einer Kaisersemmel zu versuchen. Einer meint, wenn man einen Nagel einschlagen wolle, dann brauche man dazu einen Hammer. Er hätte das gleich erledigt und macht sich ans Werk. Doch die anderen winken ab und ersuchen ihn, er möge doch bitte still sein angesichts seiner Einfalt: Das Einschlagen eines Nagels sei ein unendlich verwickelter Vorgang, für den Einzelnen undurchschaubar und nur mit vereinten Kräften zu bewerkstelligen.

Doch es zeigt sich, dass ihre Ratschläge nicht zum gewünschten Erfolg führen, denn wider Erwarten lassen sich weder mit Strandsandalen noch mit Kaisersemmeln Nägel einschlagen. Auch Versuche mit Bademänteln und Lutschbonbons schlagen fehl. Das Problem wird folglich als vorderhand unlösbar vertagt. Ein Expertenteam wird eingerichtet und in die Fachbereichsgruppen Nägel und Werkzeuge zum Einschlagen von Nägeln gegliedert sowie einer neu einberufenen Führungsebene unterstellt, die mit weitreichenden Durchgriffsrechten ausgestattet wird, um das Einschlagen des Nagels zuverlässig sicherzustellen. Mit ersten Ergebnissen sei bereits in wenigen Jahrzehnten zu rechnen.

Die Bürgschaft

Ihr Nachbar hat zehn Kinder von vier Frauen, ist seit zwölf Jahren arbeitslos, trinkt täglich eine Kiste Bier, raucht zwei Packungen Zigaretten dazu und kauft sich einen nagelneuen Sportwagen. Das Geld dafür brachte ihm ein Herr im schwarzen Anzug mit schwarzer Sonnenbrille in einem schwarzen Koffer in einem schwarzen Wagen mit schwarzen Scheiben.

Einige Tage später steht Ihr Nachbar auf Ihrer Türmatte und beklagt sein ungerechtes Schicksal: Er habe mit dem neuen Sportwagen mit leicht überhöhter Geschwindigkeit und etwas zu viel Bier im Blut eine Kurve beinahe geschafft und sei folglich nahezu unverschuldet verunfallt. Der Wagen sei in denkbar schlechtem Zustand und der Mann im schwarzen Anzug davon denkbar wenig erbaut. Die Lage ist klar, der Mann braucht Geld.

Sie weisen auf Ihre eigenen Schulden bei der Bank und die Belastung ihres Hauses hin, aber Ihr Nachbar versichert glaubhaft, er würde das Geld sicher bald zurückzahlen. In Anbetracht seiner schwierigen Lage versprechen Sie zu sehen, was Sie für Ihn tun können. Also gehen Sie zu Ihrer Hausbank und erklären dort, Sie bräuchten drei Jahresgehälter auf die Hand für den gewesenen Sportwagen Ihres mittellosen Nachbarn.

Sagt der Beamte: „Warum sagen Sie das nicht gleich? Als Sicherheit bräuchten wir nur die Arbeitskraft Ihre Kinder und Enkel auf Lebenszeit.“ Und weil Sie wissen, dass Ihr Nachbar im Grunde ein netter Kerl ist, unterzeichnen Sie den Vertrag.


DI Ralph Sobetz studierte Architektur an der TU Graz und war Assistent am Institut für Tragwerkslehre. Er lebt und arbeitet als staatlich geprüfter Ziviltechniker in Linz und Salzburg. Daneben ist er auch publizistisch tätig, erst erschien 2017 sein Sachbuch Die Waffe im Haus in zwei Bänden. 

Kolumnen

Collusion News Networks

Von Jörg Mayer

Wenn man den deutschsprachigen Medien Glauben schenken darf, werden die USA gegenwärtig von einem Vollidioten regiert. Von einem Mann, der nicht nur selber unglaublich dumm, ungeschickt und lächerlich ist, sondern der auch in seinem Kabinett nur Wahnsinnige, Ahnungslose und Fanatiker versammelt hat. Unerhört eigentlich, dass sich das amerikanische Volk nicht von Zeit, Spiegel und Welt vorschreiben lässt, wen es gefälligst zu wählen hat.

Dabei sind deren „Berichte“ gar nicht so schlecht, sie sind immerhin tadellos abgeschrieben aus New York Times und Washington Post, den Haus- und Hofmedien der in Richtung Linksradikalismus ausrinnenden Demokratischen Partei. Deren zahlreichen Nachmeldungen, dass die große Story des Vortages sich doch nicht bestätigt habe und daher widerrufen werden müsse, schaffen es allerdings nie bis auf unsere Seite des Atlantiks.

Das gilt auch für das spektakuläre Undercover-Video, das von einem CNN-Produzenten zu drehen gelungen ist, als er frei von der Leber weg bekannte, dass die große Verschwörung zwischen Donald J. Trump und der Regierung Russlands eine Ente ist, die nur deshalb verbreitet wird, weil viele Menschen genau das hören wollen. Die Idee eines Ethos im Mediengeschäft sei illusionär, es gehe ausschließlich um Quoten und Profit, und Trump habe wohl Recht, wenn er von einer Hexenjagd spricht. Hört, hört!

Eigentlich wäre das doch eine Riesenmeldung, aber bei dem peinlichen Inhalt haben auch unsere Medien darüber lieber den Mantel des Schweigens ausgebreitet. Lieber ein paar Artikel mehr zur Russland-Story, die längst alternativlos geworden ist: Wenn man ein Jahr lang an einem Nothing Burger bäckt, kann man ohne Gesichtsverlust ohnehin nicht mehr abspringen, noch dazu beim erbarmungslosen Konkurrenzkampf im Internet. Nur die reißerischsten, skandalträchtigsten Meldungen werden eben angeklickt – und Klicks bedeuten bitter benötigtes Geld für eine aushungernde Branche.

Natürlich weiß man in den Medienhäusern, dass man mit der Glaubwürdigkeit auch die eigene wirtschaftliche Zukunft verspielt, aber der schnelle Gewinn ist unwiderstehlich: Scharen an linken Lesern, die alles gerne glauben, sind auf dem Markt zu haben. Die Ironie daran: Ohne diese Mechanismen hätte Trump vor einem Jahr nie die unbezahlte Sendezeit gehabt, die seine Kampagne erst kickstartete. Vielleicht spielt sich wir vor unseren Augen also auch die kollektive Schuldbewältigung einer Branche ab. The Donald, dessen Agenda immer noch schneller umgesetzt wird, als ein Linksradikaler „Impeachment“ fehlerfrei buchstabieren kann, wird sich darüber zwar ärgern, aber zuweilen wohl auch insgeheim schmunzeln müssen.

PS: Gegen Barack Obamas ehemalige Justizministerin Loretta Lynch wird zurzeit wegen (man höre und staune:) Behinderung der Justiz ermittelt. Außerdem gegen die Ehefrau des knuffigen Alt-Sozi Bernie Sanders wegen (man höre und staune noch mehr:) Bankbetrugs. Und Hillary Clinton, ist sie immer noch auf freiem Fuß? Sehr tüchtig! Wenigstens in ihrem Fall wird der Borschtsch also doch nicht so heiß gegessen, wie er gekocht wird.

Sieht so aus, als wäre einer der wenigen, gegen den persönlich, allen anderslautenden Innuendos zum Trotz, noch nie ermittelt wurde noch ermittelt wird: Donald J. Trump.

Der liebe Gott hat schon Humor.

Kommentare

Rechte Gewalt ist böse, aber linke Gewalt ist ok?

Von Jörg Mayer

Das politische Klima in den USA und die mediale Berichterstattung darüber laufen völlig aus dem Ruder. Das Land ist tief gespalten zwischen Rechts und Links, mit Extremisten auf beiden Seiten, die durch die nationale Aufmerksamkeit immer mehr gepusht werden. Gewalt und Einschüchterung feiern als Mittel gesellschaftlicher Stimmungsmache ein Comeback. Doch anstatt zur Versöhnung aufzurufen, rühren die Medien immer weiter die Kriegstrommel gegen den Präsidenten, schlachten jeden Extremismus von rechts für politisches Kleingeld aus und verharmlosen konsequent jeden Extremismus von links.

Schauplatz 1:

Alexandria, Virginia, 14. Juni 2017. Ein linksextremer Aktivist eröffnet das Feuer auf das Baseball-Team der republikanischen Kongressabgeordneten, die gerade für ein Benefizspiel trainieren. Während eines zehnminütigen Schusswechsels werden vier Personen schwer verletzt, nur die Gegenwehr der anwesenden Sicherheitskräfte verhindert ein Blutbad. Der Angreifer selbst fällt im Feuergefecht, der schwer getroffene Mehrheits-Whip der Republikaner, Steve Scalise, schwebt wochenlang in Lebensgefahr. US-Senator Rand Paul sagt später aus, dass ohne die bewaffneten Polizisten ein Massaker unter den republikanischen Abgeordneten unabwendbar gewesen wäre.

Die Hintergründe der Tat werden schnell bekannt: Der Täter, James Hodgkinson, ist ein aktiver Unterstützer des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Als Fan der linken Mainstream-Medien MSNBC und CNN glaubte er, Präsident Trump sei illegitim und wolle die Demokratie zerstören. Die aufgeheizte Anti-Trump-Rhetorik, die ihn zu seiner Bluttat inspiriert hat – Shakespeare in the Park hatte in Julius Caesar soeben die Erdolchung Trumps dargestellt, eine CNN-„Spaßmacherin“ einen abgetrennten, blutverschmierten Trump-Kopf in die Kamera gehalten – ist in weiterer Folge aber kein Thema in den Medien. In seiner Reaktion spricht auch Präsident Trump lediglich von einer Tragödie. Das Attentat wird von der Rechten politisch nicht instrumentalisiert. In Europa ist den wenigsten bekannt, dass es überhaupt stattgefunden hat, da die Medien nur wenig darüber berichten.

Schauplatz 2:

Charlottesville, Virginia, 12. August 2017. Nach einem rechtsextremen Fackelzug am Vorabend gegen die Demontage eines Reiterstandbilds von CSA-General Robert E. Lee, das an den amerikanischen Bürgerkrieg erinnert, lässt der Gouverneur von Virginia eine neuerliche Kundgebung am Folgetag auflösen. Der harte Kern der Demonstranten bleibt in der Stadt, wo sich ihm die ebenfalls gewaltbereite Antifa entgegenstellt. Es kommt zu Straßenschlachten, die Lage eskaliert vor den Augen der Polizei. Am Nachmittag fährt der rechtsextreme Aktivist James Alex Fields mit seinem Auto in eine Menschenmenge, wobei eine Gegendemonstrantin ums Leben kommt und zahlreiche Personen verletzt werden.

Anderer Täter, andere Reaktion: Die Bluttat wird, kaum bekanntgeworden, von linker Seite in jeder nur erdenklichen Weise ausgeschlachtet. Die Medien übertreffen sich mit Schuldzuweisungen an die gesamte politische Rechte, insbesondere an Präsident Trump. Als dieser in seiner ersten Reaktion die Gewalt von allen Seiten verurteilt, johlen die Medien auf: Dies zeige unverhohlen seine Sympathien, er hätte die Rechtsextremen viel mehr verurteilen müssen und die Linksextremen viel weniger bzw. gar nicht. Zwei Tage später verurteilt Trump ausdrücklich Rassismus, Neonazismus, den Ku-Klux-Klan und jede rechtsextreme Gewalt, ohne dieses Mal linksextreme Gewalt ebenfalls zu nennen. Die Medien sind damit erneut nicht zufrieden: Dies sei viel zu spät erfolgt. Tags darauf bekräftigt Trump all seine bisherigen Aussagen und kritisiert die Medien, nicht mehr objektiv zu berichten, sondern linksextreme Gewalt weißzuwaschen.

Ein medialer Freakout beginnt

Mehr hat es nicht gebraucht. Dieselben Medien, die den Fall „James Hodgkinson“ gar nicht schnell genug relativieren konnten, schreien jetzt im Fall „James Alex Fields“ überall empört auf. Die Aussagen des Präsidenten, dass auch die Antifa Gewalt ausgeübt habe, seien „schockierend“, er sei damit „vollkommen entgleist“ und „eine Schande“. Nachrichtensprecher auf CNN nennen Trump-Wähler „Komplizen eines Rassisten“, Propagandafilmer Michael Moore legt im Fernsehen nach, Trump-Wähler selbst seien „Rassisten“ und wie „Vergewaltiger“. Auch Republikaner beugen sogleich ihre Knie vor dem linken Doppelstandard: Mitt Romney twittert, die eine Seite seien rassistische, bigotte Nazis, die andere Seite aber seien nur Gegner von Rassismus und Bigotterie, und das wären ja moralisch unterschiedliche Universen.

Die Hysterie greift um sich wie eine Springende Wallfahrt im Spätmittelalter: Kaum einer, der nicht auf den Zug mitaufspringt, um Präsident Trump pflichtschuldig seine Verachtung ins Gesicht zu speien. Dieselben Leute, die bei jeder linken Gewalttat die absurdesten geistigen Verdrehungen vollführen, um sie zu verharmlosen, geißeln nun die schärfste Verurteilung des Rechtsextremismus als immer noch nicht scharf genug und die vorsichtige Verurteilung des Linksextremismus als immer noch zu viel. Den Affront, nicht zwischen „guter“ linksextremer und „böser“ rechtsextremer Gewalt zu unterscheiden, wollen und können sie nicht dulden.

Der verschwiegene Linksextremismus

Was hier implementiert wird, ist eine Schweigespirale. Die Menschen sollen gar nicht erst auf die Idee kommen, dass Gewalt, von welcher Seite auch immer, gleichermaßen zu verurteilen sei. Sie sollen nicht wissen, dass es bereits einen Massenmordversuch an republikanischen Abgeordneten gegeben hat. Sie sollen nicht wissen, dass militante Anhänger der medial hofierten Black Lives Matter-Bewegung in den letzten Jahren gezielt Polizisten ermordet haben. Sie sollen nicht wissen, dass in den USA ganze Straßenzüge brennen, wenn die Antifa verhindern will, dass ein nicht-linker Autor an einer Uni spricht. Wenn die Medien Linksextremisten aber auf diese Weise gegen jede Kritik abschirmen, wann wird die Gewalt dann enden? Auch in Hamburg, Berlin oder Frankfurt haben schon Stadtviertel gebrannt. Und selbst wenn Österreich – von den Ausschreitungen gegen den Akademikerball und Anschläge auf Studentenverbindungen – bislang noch glimpflich davongekommen ist, sollte jedem klar sein, wohin diese Lust am Bürgerkrieg-Spielen führt.

Es mag gut sein, dass manche Medien nicht aufhören können, munter weiter zu zündeln, weil die Gier nach Einschaltquoten nicht minder ausgeprägt ist als das Interesse, Donald Trump zu schaden, egal was es koste. Es ist immer nur ein frommer Wunsch gewesen, dass die Linke eine menschliche Tragödie auch einmal ungenutzt verstreichen ließe. Trotzdem: Anstatt Denkmäler, die an Bürgerkriege erinnern, zu demontieren – wie das Reiterstandbild Robert E. Lees in Charlottesville – würde es manchem Linken guttun, sich einmal vor ein solches Denkmal zu setzen, zu versuchen, den Sinn eines solchen Denkmals zu erfassen, und lange darüber nachzudenken, was es bedeutet politische Konflikte mit Gewalt auszutragen.

Kommentare

Die Top 10 der Fake News über Donald Trump

Von Jörg Mayer

Seit bald einem Jahr zergrübeln sich Journalisten ihre wertvollen Köpfe, mit welcher bahnbrechenden Neuigkeit sie ihren nächsten Hass-Artikel gegen Donald Trump rechtfertigen können. Da stellt ein Psychologe die Ferndiagnose, dass Trump geisteskrank sei. Da findet eine Graphologin heraus, dass Trump eine ähnliche Handschrift wie Hitler habe. Man bekommt zu lesen, Trump werde von seinem Chefstrategen Stephen Bannon kontrolliert. Ein andermal, Trump habe Bannon entmachtet. Und dann, Bannon sei immer schon isoliert gewesen. Hier heißt es, Trump sei brandgefährlich und machtbesessen. An anderer Stelle, er sei lächerlich und inkompetent. Einen Sinn ergibt das alles nicht. Aber es hat einen Zweck: die systematische Verhetzung der Medienkonsumenten gegen einen nicht aus dem Establishment kommenden Politiker. Und dafür ist jedes Mittel recht, sogar Angriffe auf Trumps Ehefrau und seine Kinder. Hier die Top 10 der größten Fake News, die bislang über Donald Trump verbreitet wurden:

Platz 10

Die Medien behaupteten: Donald Trump habe an seinem ersten Tag im Weißen Haus die Büste des berühmten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. aus dem Oval Office entfernen lassen.

Die Wahrheit ist: Die Büste stand stets unverrückt an ihrem Platz im Präsidentenbüro. Der Journalist, der die Story in Umlauf brachte, meinte später, dass auf den ersten Fotos aus dem neudekorierten Raum ein Mitarbeiter vor der Büste gestanden hatte und man daher nicht erkennen konnte, dass MLK ja noch da war.

Platz 9

Die Medien behaupteten: Donald Trumps sei der unbeliebteste neugewählte Präsident aller Zeiten.

Die Wahrheit ist: Bei Umfrage-Instituten wie Gallup steht Trump sehr niedrig in der Wählergunst. Es handelt sich dabei freilich um dieselben Umfrage-Institute, die schon bei ihren Wahlprognosen völlig danebenlagen. Die New York Times errechnete aus diesen Umfragen etwa eine Wahrscheinlichkeit von 99%, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnen würde. Es ist seit Jahren bekannt, dass die herkömmlichen Umfrage-Techniken nicht mehr repräsentativ sind.

Platz 8

Die Medien behaupteten: Donald Trump habe ein verfassungswidriges Dekret erlassen, um gezielt Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren.

Die Wahrheit ist: Das betreffende Dekret ist lediglich ein Moratorium. Es betrifft Personen aus den Staaten Iran, Syrien, Jemen, Sudan, Somalia und Libyen (sowie in der Erstfassung: Irak), die noch von der Regierung Barack Obamas ausgewählt wurden. Die genannten Länder sind entweder mit den USA verfeindet, gelten als Terror-Hotspots oder stellen Failed States dar. 90% aller Muslime weltweit sind vom Dekret gar nicht betroffen. Es gibt außerdem noch kein Höchstgerichtsurteil zur Verfassungsmäßigkeit, lediglich ein Urteil eines besonders linkslastigen Bundesberufungsgerichtes.

Platz 7

Die Medien behaupteten: Donald Trump sei ein Gegner der Pressefreiheit und versuche, kritische Medien zu unterdrücken.

Die Wahrheit ist: Pressefreiheit ist das Recht jedes Bürgers, seine Gedanken mittels des gedruckten Wortes oder dessen moderner elektronischer Formen anderen Menschen kundzutun. Sie ist nicht ein Privileg milliardenschwerer Medienkonzerne wie CNN, NBC, der New York Times oder der Washington Post, von der Regierung bevorzugt eingeladen zu werden oder einen besonderen Informationszugang zu genießen.

Platz 6

Die Medien behaupteten: Donald Trump sei rassistisch, antisemitisch und homophob.

Die Wahrheit ist: Trumps Heimatstadt New York ist einer der multikulturellsten Plätze der Welt, jahrzehntelang hat dort niemand Trump als Rassisten beschimpft. The Donald war gern gesehener Gast auf Veranstaltungen und ist befreundet mit Menschen ohne Rücksicht auf Rasse oder Religion. Seine Tochter Ivanka und sein Schwiegersohn Jared Kushner sind jüdischen Glaubens. Mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat Trump eine weitaus bessere Gesprächsbasis als Barack Obama. Auch von Homophobie kann kaum die Rede sein, war Trump doch der erste Präsidentschaftskandidat, der auf einem Republikaner-Parteitag positiv über die LGBTQ-Community sprach. Die Anschuldigungen dienen ausschließlich zur Diffamierung.

Platz 5

Die Medien behaupteten: Donald Trump wolle 30 Millionen Amerikanern die Krankenversicherung streichen.

Die Wahrheit ist: Der landläufig Obamacare genannte Affordable Care Act war von Anfang an so konzipiert, dass spätere Reformen unabwendbar sein würden. Barack Obama selbst nannte den ACA einen ersten Schritt in Richtung eines Single-Payer-Systems, also einer einheitlichen Pflicht-Krankenversicherung für alle Amerikaner. Unter dem ACA müssen die meisten Amerikaner derzeit eine Versicherung am freien Markt erwerben, wobei künstliche Mono- und Oligopole innerhalb der Gliedstaatsgrenzen bestehen. Da das System für Gutverdiener, Junge und Gesunde unattraktiv ist, befindet es sich in einer Todesspirale, die zur Ausdünnung des Angebots und steigenden Prämien führt. Das Gesundheitssystem muss also reformiert werden, da es nie nachhaltig finanziert wurde. Die oppositionellen Demokraten und die linken Medien wissen das genauso, es ist ihnen aber politisch nützlich, der Bevölkerung das Gegenteil vorzuspielen.

Platz 4

Die Medien behaupteten: Donald Trump breche durch Kriegstreiberei seine Wahlversprechen und verrate seine Wähler.

Die Wahrheit ist: Die USA haben unter Trump einen einmaligen Raketenangriff in Syrien durchgeführt. Russland ist in dieser Region seit Jahren militärisch präsent und wurde vorab über die US-Aktion informiert. Eine weitere Kampfhandlung betraf Afghanistan. Dabei wurden über 90 IS-Terroristen getötet, laut Angaben von Behörden vor Ort gab es keine zivilen Opfer. Kampfeinsätze mit Bodentruppen werden nicht erwogen, Nation Building steht nicht auf der Agenda. Das mediale Narrativ dient hauptsächlich dazu, Trumps Basis zu verunsichern. Die Kritik von Rechtsaußen-Gruppen in Europa wiederum speist sich aus generellem Anti-Amerikanismus. Dass die USA auch unter Trump keine Politik der Weißen Fahnen betreiben würden, sollte aber klar sein.

Platz 3

Die Medien behaupteten: Donald Trumps Anschuldigung, Barack Obama habe ihn abhören lassen, seien reine Lügen.

Die Wahrheit ist: Nichts Genaues weiß man nicht. Bekannt ist, dass die Regierung Obama mehrmals versuchte, gegen Trump ermitteln zu lassen. Bekannt ist auch, dass CIA, FBI und NSA über die Mittel verfügen, unbemerkt Abhöraktionen durchzuführen. Und bekannt ist, dass es solche Aktionen in der Vergangenheit gegeben hat, etwa gegen Angela Merkel oder Francois Hollande. Auch amerikanische Staatsbürger waren schon betroffen, etwa General David Petraeus, dessen Karriere auf diese Weise zerstört wurde, oder Trumps ehemaliger Sicherheitsberater, General Michael Flynn. Fraglich ist, ob die Regierung Obama dafür verantwortlich ist. Wahrscheinlicher scheint, dass die Behörden ihre Aktivitäten gegen Ausländer, d.h. nicht direkt gegen Trump richteten, dabei aber auch Daten zutage gefördert wurden, die Trump betreffen. Damit amerikanische Staatsbürger auf diese Weise nicht „nebenbei“ ausspioniert werden, müssen ihre Identitäten verdeckt bleiben. In dieser Frage gibt es zurzeit Untersuchungen gegen Obamas ehemalige Sicherheitsberaterin Susan Rice. Ob die Anschuldigungen aber wahr oder unwahr sind, kann zurzeit niemand wissen – auch nicht die Medien. Trump hat mit seinen Aussagen jedenfalls eine Diskussion über Privatsphäre und Überwachungsstaat angestoßen, die dem Washingtoner Establishment sehr ungelegen kommt.

Platz 2

Die Medien behaupteten: Donald Trump verdanke seinen Wahlsieg russischer Einflussnahme auf die US-Wahlen. Er verfolge eine russlandfreundliche Politik u.a. wegen privater Geschäftsinteressen. Außerdem habe er FBI-Direktor James Comey gefeuert, um Ermittlungen in dieser Sache abzudrehen. Dies sei ein Watergate-ähnlicher Skandal.

Die Wahrheit ist: Die ominöse Russland-Connection wird seit Monaten von den Medien behauptet, ohne dass je irgendwelche Beweise oder wenigstens belastbare Indizien vorgelegt worden wären. Selbst Untersuchungen seitens unparteiischer US-Behörden haben bislang nicht die geringsten Ergebnisse gebracht. Eine Manipulation von Wahlmaschinen durch Hacker-Angriffe ist ausgeschlossen. Die ganze Idee, dass eine weltbeherrschende Supermacht wie die USA bei ihren Wahlen den Wünschen des Kreml ausgeliefert wäre, ist schlicht lachhaft. Hillary Clinton hat nicht „wegen Russland“ die Wahl verloren, sondern wegen Hillary Clinton. James Comeys Ablöse als FBI-Chef wiederum wurde seit Monaten von allen hochrangigen Demokraten gefordert, auch von Clinton selbst, die ihn sofort aus dem Amt entfernt hätte. Auf etwaige FBI-Ermittlungen hat die Ablöse des Republikaners Comey so oder so keinen Einfluss. Sein kommissarischer Nachfolger Andrew McCabe ist außerdem ein Demokrat. Die Aufregung der Demokraten und der Mainstream-Medien ist also völlig absurd und unglaubwürdig. Hintergrund ist in Wahrheit die Angst, dass Trump noch mehr Leute aus dem Washingtoner Establishment feuern und die Macht der Seilschaften stören könnte.

Platz 1

Die Medien behaupteten: Donald Trump habe in einem Hotel in Russland eine Gruppe von Prostituierten auf ein Bett urinieren lassen, in dem Barack und Michelle Obama einmal geschlafen hätten.

Die Wahrheit ist: Diese Meldung des linkslastigen Nachrichtenportals Buzzfeed, die von CNN weiterverbreitet wurde, ist nicht nur die vermutlich schamloseste Anti-Trump-Story bislang, sie ist auch buchstäblich von A bis Z erlogen, denn sie wurde von Spaßmachern auf der Internetseite 4chan erfunden. Ursprünglich noch aus der Zeit des Wahlkampf-Endspurts stammend, hat sie den andauernden Konflikt zwischen Trump und CNN – übrigens jener Fernsehsender, der die Fragen des TV-Duells vorab an Hillary Clintons Wahlkampf-Team übermittelte –  nachhaltig geprägt. Dass dergleichen Meldungen von selbsternannten seriösen Medien aufgenommen werden, zeigt anschaulich, wie es mit der Recherche-Arbeit in den Redaktionsstuben heute aussieht.

Fazit

Diese Liste ist keineswegs vollständig, sie ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle an Falschmeldungen, die von den Medien verbreitet werden. Mit einer sachlich-kritischen Auseinandersetzung hat dies alles nichts mehr zu tun. Attacken auf Trump bringen den Medien Klicks und Reichweite, und daher ist keine Übertreibung mehr zu schrill, kein Vergleich mehr zu abwegig, keine Kritik mehr zu lachhaft. Wie in George Orwells 1984 bekommen die Medienkonsumenten ihren alltäglichen Zwei-Minuten-Hass – ein gemeinschaftsstiftendes Ritual, bei dem jeder unter die immer neuen Anti-Trump-Artikel seine Verachtung ausspeien und den Präsidenten der USA einen Kasperl, Idioten, Wahnsinnigen, Rassisten und Frauenhasser nennen kann. Abwägende Nachdenklichkeit, lehrreiche Einblicke und sachliche Analysen gibt es nicht mehr, es regieren Ressentiment, Ignoranz und Selbstaffirmation. Die Leser sollen darauf konditioniert werden, mit Trump negative Empfindungen zu verbinden: Selbstverständlichkeiten werden daher zu Skandalen stilisiert, angesichts derer man sich fassungslos gibt, und plumpe Verschwörungstheorien kursieren als Hintergrundinformationen. Der Wahnsinn geht soweit, dass die Medien Trump dafür angreifen, wenn er nützliche Informationen zur Bekämpfung der Terrormiliz IS an Russland weitergibt.

Spätestens an diesem Punkt sollte auch wohlerzogenen Trump-Hassern doch einmal ein Licht aufgehen. Aber das ist ein frommer Wunsch, denn die Medienhetze wird kein Ende nehmen, solange Trump nicht zu Fall gebracht ist.

Kommentare

Donald Trump der Schröckliche

Von Jörg Mayer

Wer heute in Echtzeit erleben möchte, wie Fake News entstehen, kommt nicht um Donald J. Trump herum – oder besser gesagt: um seine Gegner. Erst jüngst tingelte die Schock-Meldung durch die Mainstream-Medien, „die Russen“ hätten kompromittierendes Material über eine Sexaffäre Trumps mit russischen Prostituierten und würden ihn damit erpressen. Die ganze Geschichte, von ein paar Witzbolden auf 4chan erfunden, wurde von BuzzFeed aufgegriffen und von CNN in die ganze Welt getragen. Noch eine Woche, nachdem der Betrug in den USA längst allgemein bekannt war, bekam der Autor dieser Zeilen die Behauptung im deutschsprachigen Microsoft-Network-Newsfeed präsentiert. Das macht sprachlos.

Doch eigentlich sollte es nicht verwundern, offenbart ein Blick auf die letzten Monate den Spin der Mainstream-Medien ja allzu deutlich: Egal was Donald Trump sagt (oder nicht sagt), getan hat (oder nicht getan hat), immer macht ihn irgendetwas daran untragbar. Man erinnere sich nur an die Wahlkampf-Debatten: Agierte er zurückhaltend und höflich, hieß es, er sei in die Defensive gedrängt gewesen. Verteidigte er sich hingegen mit klarer Kante gegen die mediale Schmierenkampagne und den vorherrschenden Doppelstandard, hieß es, Trump argumentiere unter der Gürtellinie und wolle die Medien mundtot machen. So oder so, Donald Trump hätte sich am besten den ganzen Tag für alles und jedes entschuldigen sollen.

Dabei kontrollierten sich die Mainstream-Medien sogar selbst: Als etwa Moderator Matt Lauer beim Commander-in-Chief-Forum Hillary Clinton kritische Fragen stellte, wurde seine Gesprächsführung tagelang heftig attackiert. Allen weiteren Moderatoren war damit klargemacht: Kritische Fragen sind ausschließlich Donald Trump zu stellen – und brav haben sie es auch gemacht. CNN entblödete sich nicht einmal, eine Gruppe von mehrheitlich Demokraten eine TV-Debatte bewerten zu lassen und dies als repräsentatives Sample zu verbreiten, das in Europa dann natürlich rauf und runter zitiert wurde. Ein besonders leuchtendes Exemplar für den hohen journalistischen Standard des Hauses war auch Donna Brazile, von der die Fragen der zweiten TV-Debatte vorab an Hillary Clinton übermittelt wurden.

Natürlich wurden die Nachrichten aus den USA in den deutschsprachigen Medien noch einmal gefiltert, damit auch wirklich niemand auf dumme Gedanken käme. Schnitt Donald Trump in den Zuschauerbefragungen besser ab, hieß es in deutschen Medien trotzdem: „Hillary Clinton gewann die Debatte souverän!“, „Noch ein peinlicher Auftritt von Donald Trump!“, „So wurde Trump in nur drei Sätzen vernichtet!“ usw.usf. Als Trump zu allem Überdruss noch die Meinung kundtat, dass sich Clinton wegen Korruption vor Gericht verantworten müsste, verfielen die Mainstream-Medien vollends in hysterische Schnappatmung. Er enttarne sich als Demokratiefeind, der politische Gegner beseitigen will, hieß es prompt – ganz so, als wollte irgendjemand auf der Welt Hillary Clinton dafür einsperren, dass sie Demokratin sei, und nicht dafür, dass sie von Kopf bis Fuß korrupt ist.

ORF gegen Trump

Auch der Österreichische Rundfunk reihte sich anstandslos in die Phalanx gegen Trump ein. So titelte er: „Trump bleiben nur noch Untergriffe!“ und verbat sich damit schon in der Überschrift jede Kritik an Frau Clinton. Ihres Ehemannes mutmaßliche Sex-Opfer waren laut ORF „Frauen, die laut eigenen Aussagen Affären mit Bill Clinton hatten“, sie öffentlich zu Wort kommen zu lassen war für den ORF ein „Ausschlachten von Clintons Privatleben“. Inhaltlich erwähnte der ORF keine einzige Aussage von Trump ganz, nur allerkürzeste, sinnbefreite Soundbites. „Dazu kam wieder eine erkleckliche Anzahl nachweisbarer und auch schon nachgewiesener Lügen. All das mit Absicht.“ – so das Zwischenfazit. Derart kann man „Berichterstattung“ natürlich auch betreiben.

Die mögliche „Veröffentlichung kompromittierenden Materials über Clinton“ erwähnte der ORF nach der Bemerkung, es seien von Trump „noch weitere Griffe in den Schmutzkübel zu erwarten“ – und vor der Ankündigung, dass Fox-News-Moderator Chris Wallace die Leitung der letzten TV-Debatte nicht dahingehend interpretieren wolle, „Aussagen darin auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen“. Der Leser wurde also zu dem Gedanken geführt, dass die von Wikileaks zugänglich gemachten Beweisdokumente als Lügen über Clinton einzuschätzen seien, die von den Trump-freundlichen Medien aber nicht richtiggestellt würden. Noch unverfrorener kann man Tatsachen nicht auf den Kopf stellen.

Einem Moderator sein Bekenntnis zur Unparteilichkeit sogar zum Vorwurf zu machen und als journalistisch-ethisches Defizit anzuprangern, ist aber geradezu bezeichnend für eine Klasse, die sich nicht mehr als Berichterstatter von Fakten, sondern als Politbüro zur Volkserziehung versteht. So erweist sich das von linker Seite vehement eingeforderte Fact Checking schnell als bequemer Freibrief für die Mainstream-Medien, sich um Überparteilichkeit und Ausgewogenheit gar nicht mehr scheren zu müssen.

Gewählt ist gewählt

Doch es nutzte alles nichts, Donald J. Trump wurde endlich doch zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. 99% sollte laut renommierter New York Times die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsieges von Hillary Clinton betragen. Eingetreten ist das verbliebene 1%. Dieselben Medien nun, die vor der Wahl allesamt völlig danebengelegen hatten, erklärten uns jetzt nach der Wahl genau, wer aller warum genau Trump gewählt hatte: lauter alte, weiße Arbeitermänner, weil sie dumme Verlierer, Sexisten und Rassisten sind. Das Establishment verarbeitete seine Niederlage mittels voter shaming, obwohl die Wahlmotive offenkundig waren. Denn Trump reüssierte ja tatsächlich in der arbeitenden Mittelschicht, weil er viele Stimmen von jenen gewann, die letztes Mal Barack Obama gewählt hatten. Gleichzeitig gewann er aber auch die Mehrheit der weißen Frauen für sich und lag wesentlich besser bei Latinos und Schwarzen als Mitt Romney noch vor 4 Jahren. All das passte freilich nicht ins Narrativ der Medien, die nur ihre eigenen Wunschvorstellungen analysierten.

Gleich nach Trumps Wahlsieg nahmen die Medien schließlich das FBI unter Beschuss, weil es sich erdreistet hatte, gegen Kandidatin Clinton zu ermitteln. Daraufhin folgte ein Lamento über das Wahlsystem, begleitet von Versuchen, die Wahlleute persönlich unter Druck zu setzen. Das größte mediale Schmierentheater war aber zuletzt die Neuauszählung in drei von Trump gewonnen Staaten. Dieselben Medien, die Trump vor der Wahl dafür abwatschten, dass er Wahlfälschung überhaupt für möglich hielt, ergingen sich nach der Wahl selbst in den abstrusesten Wahlfälschungs-Theorien.

Die Neuauszählungen brachten natürlich überhaupt nichts Substanzielles zutage, außer einigen Hundert Stimmen, die gar noch von Clinton zu Trump wanderten. Nur der Grünen-Kandidaten Jill Stein bescherte die Posse landesweit mediale Aufmerksamkeit: In wenigen Tagen lukrierte sie mehr Spendengelder als in ihrem ganzen Wahlkampf und gelangte damit an die wertvollen Kontaktdaten von Clinton-Unterstützern. Das waren die wahren Hintergründe ihrer Wahlanfechtung, eifrig beklatscht vom medialen Establishment.

Im Westen nichts Neues

Als sich auch der Wahlfälschungs-Spin als Humbug herausstellte, kamen die Mainstream-Medien auf die gloriose Idee, nun Vladimir Putin und irgendwelche Hacker dafür verantwortlich zu machen, die US-Wahl „beeinflusst“ zu haben. Dass Clinton selbst mit ihrem privaten e-mail-Server den Hackern sensibles Material geradezu auf dem Teller serviert hatte, spielte genauso wenig eine Rolle wie ihre Wahlkampffinanciers aus aller Herren Länder – bis nach Saudi-Arabien. Nun mögen Trumps Geschäftspraktiken auch keiner großen Ehren wert und seine Charakterdefizite offensichtlich sein. Gleichwohl war es faszinierend anzusehen, wie frei von allen Hemmungen die Mainstream-Medien jede noch so dümmliche Meldung heraushauten, um Trump noch irgendwie anzupatzen.

So gab es nicht wenig Häme dafür, dass der berühmte Neurochirurg Ben Carson für einen Ministerposten abgesagt habe. Kurz darauf stellte Trump ihn als neuen Minister vor. Von einer Rebellion hochrangiger Republikaner gegen Trump wurde schwadroniert. Am Ende waren es die altbekannten John McCain und Lindsey Graham. Selbst als Trump bloß mit der demokratischen Präsidentin von Taiwan telefonierte, flippten das mediale Establishment aus, weil das Kommunistische China ja etwas dagegen haben könnte. Mit Castro oder dem Ayatollah telefonieren wäre sicherlich ok gewesen.

Und wie schon beim Brexit, würde natürlich auch die Börse unter Trump in tiefste Turbulenzen stürzen. Tatsächlich ging es der Wall Street blendend. Nun war das aber auch wieder nicht recht, denn plötzlich bekrittelte man, Trump hole einen Goldman-Sachs-Manager ins Weiße Haus. Bei Clinton hätte man darüber sicherlich auch Schnappatmung bekommen, nicht? Die Wahrheit ist eben eine Tochter der Zeit – vor allem für jene Journalisten, die Trump jahrzehntelang mit ihrem Wohlwollen überhäuften, ihn abfeierten und sich alle zehn Finger abschleckten, wenn sie eine Party-Einladung bekamen. Falsche Freunde, die ihn unvermittelt als Sexisten, Rassisten, Xenophoben, Islamophoben usw. usf. erkannten, als er gegen Hillary Clinton antrat.

„The Donald“ wird das alles aushalten. Er hatte ein schillerndes Leben wie kaum jemand auf diesem Planeten, gekrönt mit dem gewichtigsten öffentlichen Amt der Welt. Er hat einen der unwahrscheinlichsten Wahlkämpfe aller Zeiten für sich entschieden, obwohl er Politik wie ein Hobby betrieb. Ja, Donald Trump der Schröckliche hat dabei tatsächlich manchen Schrecken verbreitet. Aber er hat auch große Hoffnungen geweckt. Und er weiß, dass er jetzt liefern muss, denn Riesenprobleme waren darauf, gelöst zu werden. Die Republikanische Partei hat die einmalige Chance, das Land nun zum Besseren zu gestalten – auch gegen den Widerstand der Mainstream-Medien.

Donald Trump ist daran zu messen, ob dies gelingt. Wünschen wir ihm Erfolg!

Kommentare

Fake News?

Von Jörg Mayer

Die klassischen Medien – Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender – sie waren einst die vierte Gewalt im Staate. Sie kontrollierten, berichteten, hinterfragten. Doch dann kam die digitale Revolution: Neue, alternative und soziale Medien brachen die alten Monopole auf und stürzten die Gatekeeper. Der letzte Rückhalt der Mainstream-Medien? Die spendablen Taschen des Staates, für dessen eingesessene Oligarchien sie seitdem Hofberichterstattung betreiben. Nie wurde das so deutlich wie im vergangenen Jahr.

Nein, 2016 war für die Medien kein Jahr wie jedes andere. 2016 zeigte uns die Medien nackt. Das ganze Potemkin’sche Dorf des ach so seriösen und kritischen Mainstream-Journalismus ist in diesem Jahr in sich zusammengekracht. Die jüngsten Versuche, die für immer mehr Menschen zugänglich gewordenen neuen, alternativen und sozialen Informationsquellen nun als Verbreiter von Fake News zu verdammen, entlarven sich als das wilde Um-sich-Schlagen eines schon aus allen Wunden verblutenden Riesen. Fake News – so wurde immer mehr Bürgern bewusst – sind vielmehr jene Nachrichten, die von den Mainstream-Medien selbst, mit erhobenem Zeigefinger und bebender Stimme, verbreitet werden, wenn sie zur volkspädagogischen Märchenstunde ausrücken.

Der Glaubwürdigkeitsverlust der MSM vollzog sich im vergangenen Jahr umso gründlicher, weil er an Einzelereignissen kulminieren konnte, bei denen der Spin der Medien und die nackte Wirklichkeit allzu deutlich und schon für jeden erkennbar nicht mehr übereinstimmten. Zu diesen Ereignissen zählten etwa die von den Medien tagelang verschwiegenen sexuellen Massenübergriffe in der Kölner Silvesternacht, die Aufrichtung einer veritablen Diktatur in der von Medien und Politik ad nauseam hofierten Türkei, die Abstimmung über einen EU-Austritt in Großbritannien, die Wahl Donald J. Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie die konzertierte Kampagne des gesamten politisch-medialen Establishments in Österreich gegen den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer.

Kampfzone Online-Journalismus

Selbst einstmals seriöse Nachrichtenportale haben 2016 gezeigt, wie weit sie mittlerweile abgeschmiert sind. Einer ihrer größten Fehler: ihre Online-Auftritte in die Hände selbstverliebter linker Meinungsjournalisten zu legen, die billiges Clickbaiting gegen alle kritischen, rechten Meinungen betrieben, und dabei zu verkennen, dass Medien zunehmend an der Qualität ihres Online-Auftritts gemessen werden. Nicht von ungefähr hagelt es mittlerweile in den sozialen Medien, so auf Facebook, aber noch ausgeprägter auf Twitter, geradezu ununterbrochen fundierte bis polemische Kritik an den reißerischen, unseriösen und tlw. auch verfälschten Nachrichteninhalten, die täglich verbreitet werden. Immer öfter werden Falschmeldungen der MSM schon nach wenigen Minuten bloßgestellt, aufmerksame User decken die Agenda der einzelnen Journalisten auf, Enthüllungsplattformen zeigen die Verstrickungen von Medienmachern und Parteipolitik. Die Zeit der medial gelenkten Demokratie, in der Medienkonzerne darüber bestimmten, welche Informationen dem Volk zugespielt werden und welche nicht, nähert sich rasant ihrem Ende – und damit auch die ungeheure Machtposition der Medien selbst.

Michael Bärnthaler hat 2016 einen wunderbaren Text geschrieben, in dem der erste Absatz ironisch lautet: „Es ist leicht, sich überlegen zu fühlen. Wenn man gebildet und gut informiert ist, ist es leicht, die Sorgen und Ängste vieler Journalisten nicht ernst zu nehmen, sie als irrationale Ressentiments abzutun. Trotzdem ist es falsch. Wir müssen die Ängste der Journalisten ernst nehmen.“ Und er hat ganz Recht damit. Denn die MSM wissen selbst, dass ihre sogenannten „Nachrichten“ zunehmend nicht mehr ernstgenommen werden. Schon eine 30-Sekunden-Suche auf Google nach Originalquellen kann heute ja mitunter eine noch so großspurige Behauptung widerlegen. Und selbst die Auslands-Korrespondenten sind längst unnütz geworden, denn wozu sollte jemand einem „Bericht“ auf Spiegel Online noch Glauben schenken, wenn er kraft Englischkenntnissen via Youtube direkt hören kann, was Politiker X nicht angeblich gesagt hätte, sondern was er wirklich gesagt hat – in seinen eigenen Worten, in voller Länge und nicht aus dem Zusammenhang gerissen.

Kein Wunder also, dass man aus der gewohnt obrigkeitlichen Bundesrepublik Deutschland schon hört, wie gefährlich diese ganze Entwicklung sei, ja dass es besonders im Wahlkampf darauf ankommen wird, „falsche Meinungen“ zu unterbinden. Über eine diesbezügliche Kontrollbehörde wird schon eifrig nachgedacht. Es mag bitter stimmen, wie offen in Deutschland 2017 über die Wiedereinführung der Zensur gesprochen wird. Andererseits ist eine freiheitliche Gesellschaftsordnung historisch betrachtet ohnehin je die Ausnahme, nicht die Regel gewesen.

Informationsfreiheit, ein Menschenrecht

Will man alles auch immer so genau wissen? Etwa, dass Anis Amri, der nach seinem Mord an einem polnischen LKW-Fahrer noch zwölf Besucher eines Christkindlmarktes in Berlin totgefahren hat, schon in Tunesien 2010 einen LKW gestohlen hatte, außerdem 2011 wegen Brandstiftung und Körperverletzung angezeigt worden war, die Jahre 2012 bis 2015 in sechs italienischen Gefängnissen verbrachte und dort erneut durch Vandalismus und Gewalttätigkeit auffiel, daraufhin 2016 in Deutschland mit Drogenhandel, Versuch der illegalen Beschaffung von Waffen und Planung von Anschlägen zubrachte und dennoch, obwohl polizeibekannt, seelenruhig weiter herumlaufen durfte? Alles Informationen, die uns doch eher beunruhigen könnten. Die einen hinterfragen lassen könnten, warum unsere Regierungen so viel Energie darauf verwenden, jeden dahergelaufenen Migranten zu alimentieren, und gleichzeitig so wenig Interesse daran zeigen, unsere Heimat zu beschützen.

Dank den neuen, alternativen und sozialen Medien lassen sich diese Informationen jedenfalls heute nicht mehr zurückhalten. Die Information findet einen Weg. Damit werden endlich jene Berufsjournalisten überflüssig, die nur mehr als Pagen der Regierenden auftreten, die Menschen am liebsten bevormunden wollen und gern noch den Ausgang von Wahlen vorherbestimmen würden, die kritische Stimmen in das Eck des Verächtlichen stellen, jede noch so gut belegte Enthüllung von Seiten wie Wikileaks geflissentlich totschweigen und uns gleichzeitig jeden Stuss aus einem grünen Parteibüro als Neuerfindung des Rades anpreisen. Die Konsumenten haben diesen Journalismus lange schon satt. Die Leserzahlen der MSM sinken, ihre Einnahmen brechen ein, Mitarbeiter werden abgebaut, der Kuchen wird kleiner. Wer nun aber existenzielle Angst hat, verliert die Fähigkeit zur Rationalität.

In diesem Zustand des Post-Faktischen befinden sich die MSM, und ihr Gerede von sich selbst als „Qualitätsmedien“ und ihrer ach so wichtigen demokratischen Funktion wirkt immer bemühter. Denn der Raum hinter der großen Kulisse ist gähnend leer, es steckt nichts dahinter. Nie ist das so schnell so vielen Menschen bewusst geworden wie im vergangenen Jahr, und die Konsumenten sind es leid, weiter mit Clickbait-Journalismus und pseudo-moralischen Belehrungen abgespeist zu werden. Genau das wollen sie nicht. Sie wollen stattdessen informiert werden über die Welt, so wie sie ist. Sicher, die Freiheit des Informationsflusses birgt auch problematische Seiten, mit einer solchen Fülle an Nachrichten und ihren mannigfaltigen Spins umzugehen ist schwierig. Doch die Alternative dazu wäre der Totalitarismus, dass eine staatliche Instanz darüber entscheidet, was wahr und was falsch ist – ein Alptraum.

Die Freiheit des Informationsflusses hingegen ist gerade kein Alptraum, nicht für die Bevölkerung. Sie ist eine riesige Chance für uns, sie macht aus Untertanen Bürger, sie verschafft den Massen Gehör und eröffnet den gebildeten Schichten neue Wege, um zu lernen, sich auszutauschen und weiterzubilden. Gut so.

Analysen

Das Informationskartell

Von Christine Schadenhofer

Mehr denn je ist heute von Mainstream-Medien die Rede, von Gleichschaltung, gelenkten Medien und Manipulation. In einer Studie von Swiss Propaganda wird schlüssig dargelegt, warum dieser Eindruck kritischer Medienkonsumenten zumindest im Hinblick auf Geopolitik nicht trügt.

Um zu verstehen, warum sich Headlines, Berichte und Bilder in den Medien weltweit gleichen, muss man wissen, dass sie zum überwiegenden Teil aus denselben Quellen gespeist werden. Die Informationsmacht liegt in den Händen von großen Nachrichtenagenturen. Laut Swiss Propaganda gibt es nur drei weltweit agierende Unternehmen: die amerikanische Associated Press, deren Informationen von rund 12.000 Medien weltweit genutzt werden, die quasi-staatliche französische Agence France Presse und die britische Agentur Reuters, die 2008 zu Thomson-Reuters mit Sitz in New York fusioniert wurde. Als semi-global kann noch die Deutsche Presse Agentur gerechnet werden. Diese Agenturen entscheiden maßgeblich über die Inhalte, die berichtet werden, sie bestimmen die Tonart.

An diesen obersten Quellen der Information hängt eine Vielzahl von kleineren Presseagenturen, die jedoch in ihrer geopolitischen Berichterstattung in weiten Bereichen auf die Meldungen der drei großen angewiesen sind. Allein schon aus ökonomischen Gründen muss in der Recherche vor Ort kooperiert werden. Auf der nächsten Ebene der Informationskette – bei den Medien – ist man im Hinblick auf das Weltgeschehen erst recht auf Agenturmeldungen angewiesen oder man beruft sich auf große britische und amerikanische Medien und damit auch auf deren Blick auf die Welt.

Ein solches System ist natürlich eine Instanz, die die gesamte Information über das weltpolitische Geschehen beherrscht. Zudem ist es anfällig für gezielte Manipulation von außen: Wenn es jemandem gelingt, eine Falschmeldung in einer der drei Agenturen zu platzieren, ist die Chance hoch, dass diese Meldung rund um die Welt geht. Was aber in der Praxis schwerer wiegen wird, sind die Möglichkeiten, die dieses System bietet, alleine durch Auswahl und Tonart von „News“ Meinung und damit Politik zu machen. Soweit die Theorie von Swiss Propaganda, aber lassen sich diese vermuteten Zusammenhänge auch empirisch nachvollziehen?

Dazu hat das Forscherteam von 1. bis 15. Oktober 2015 die Berichterstattung von je drei führenden Tageszeitungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz zum Syrienkonflikt – Print wie Online – unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden 381 Artikel aus Welt, SZ, FAZ, NZZ, TA, BaZ, Standard, Kurier und Presse analysiert.

Die Dominanz von Agenturmeldungen (am Quellen-Kürzel erkennbar) hat sich klar bestätigt: 55% der Artikel waren reine Agenturmeldungen, weitere 23% waren Berichte auf Basis von Agenturmeldungen. Insgesamt können also 78% der Syrien-Berichte dieses Zeitraums auf Agenturen – und damit letztlich auf wenige große Agenturen – zurückgeführt werden. Ganze 0% der Syrien-Berichterstattung stammten laut den Studienautoren übrigens aus investigativen Recherchen durch die untersuchten Medien. Eine weitere Analyse der Meinungen, Gastkommentare und Interviews in den untersuchten Medien zeigte, dass diese Beiträge zu 82% USA/NATO-freundlich ausfielen, während 16% als neutral und nur 2% als USA/NATO-kritisch bewertet wurden.

Nachrichtenmedien sind „Agenten derer, die die politische und wirtschaftliche Macht ausüben“, wird der ehemalige AP-Journalist Herbert Altschull in der Studie zitiert. Angesichts der Ergebnisse und einem eigenen kritischen Blick auf die Berichterstattung der Medien muss befürchtet werden, dass diese Aussage tatsächlich zutrifft.

Dennoch: Es gibt Grund zur Hoffnung. Internet und Social Media sind dabei, das herrschende Informationskartell aufzubrechen. „Die kommenden Jahre werden es zeigen: Wird die politische und wirtschaftliche Macht gemäß Altschulls Gesetz die Kontrolle über die Nachrichten behalten – oder werden unkontrollierte Nachrichten das politische und ökonomische Machtgefüge verändern?“, schließen die Studienautoren.

Christine Schadenhofer ist Kommunikationsberaterin in Linz.