Von Nicole di Bernardo

Stellen Sie sich vor, jemand würde in den sozialen Netzwerken ihr Kind mit dem sadistischen König Joffrey aus Game of Thrones vergleichen und als Antichrist und Tierquäler beschimpfen. Wie würden Sie sich fühlen, wenn in aller Öffentlichkeit Kommentare gepostet werden, wonach ihr Sohn ein zukünftiger Vergewaltiger und Amokschütze sei? Was wäre, wenn plötzlich alle Medien voll mit beleidigenden Kommentaren über ihre eigene Person wären, und man behaupten würde, man könnte an ihrer Mimik und Gestik erkennen, wie sehr sie ihren Ehepartner hassen, und dass die Scheidung bald ins Haus stünde? So erging es in den letzten beiden Monaten Barron Trump, dem Sohn des neuen US-Präsidenten, und seiner Mutter Melania.

Viele werden behaupten, dass eine Person des öffentlichen Lebens sich solche Kommentare gefallen lassen muss. Wenn jedoch die eigenen Kinder von Mobbing und Spott betroffen wären, würde jede Mutter wohl alles versuchen, um sie davor zu schützen. Warum sollten derartige Diffamierungen also in Ordnung sein, wenn es sich um ein zehnjähriges Kind handelt, das durch die Entscheidungen seines Vaters Donald Trump in das Schussfeld der Medien gelangt ist? Und auch wenn Melania Trump freiwillig die Entscheidungen ihres Gatten mitträgt, sind die gehässigen Kommentare gegen ihre Person nicht akzeptabel. Ständig wird jeder ihrer Schritte analysiert und ins Lächerliche gezogen. Und wenn sie sich keine Fehler leistet, werden welche gesucht und notfalls erfunden.

Oft wird behauptet, sie wäre nur ein stiller Schatten ihres Gatten, der ihm jeden Fehltritt verzeiht und dabei noch dümmlich in die Kamera lächelt. Wenn man sich jedoch näher mit dieser in der Öffentlichkeit oft zurückhaltend wirkenden Frau beschäftigt, erkennt man schnell, dass viel mehr hinter ihr steckt als nur ein Model, das es zur Milliardärin geschafft hat. Sie vertreibt nicht nur eine eigene Beautylinie und Schmuckkollektion, sie spricht auch fünf verschiedene Sprachen – vermutlich um einiges besser als jene amerikanischen Linken, die sich so gern über ihren slawischen Akzent lustig machen. Im Gegensatz zu so manch anderer Frau, die es sich an der Seite eines berühmten Mannes gemütlich macht, versucht sie immerhin auf eigenen Beinen zu stehen und bezeichnet sich auch in ihrer Beziehung als selbstständigen und ebenbürtigen Partner.

Die Kindererziehung übernimmt sie persönlich und verzichtet auf ein Kindermädchen, was in den besseren Kreisen teilweise schon fast wieder verpönt ist. Scheinbar verärgert dieses gute Beispiel auch einige Promimütter, die ihre Krallen ausfahren und sie als reines Anhängsel eines sexistischen Ehemannes bezeichnen, der sie in einen goldenen Käfig drängt. Auch ihre Nacktfotos sind immer wieder Thema in den Medien und werden als einer First Lady unwürdig bezeichnet. Aber was spricht in der heutigen Zeit dagegen, wenn eine Frau, die stolz auf ihren Körper ist, dies auch zeigen möchte? Es ist schon etwas fragwürdig, wenn Feministinnen sich genau darüber auslassen – und zeitgleich die Möglichkeit der Entfaltung und persönlichen Freizügigkeit des weiblichen Geschlechts feiern.

Doch als wären all diese gehässigen Kommentare nicht schon genug, melden sich auch noch sogenannte „Verhaltensexperten“ zu Wort und wollen das Ende ihrer Beziehung voraussehen. Wie sehr muss sie da unter Druck stehen, wenn sie weiß, dass alles, was sie tut, ausgeschlachtet wird, um sie zu verletzen? Kann sie ihrem Sohn erklären, warum in den Medien behauptet wird, seine Eltern würden sich scheiden lassen? Auch wenn es sicher bis zu einem gewissen Punkt wahr ist, dass Personen öffentlichen Interesses fragwürdige Aufmerksamkeit und Kritik ertragen müssen, sollte jedoch spätestens dort die Grenze erreicht sein, wo persönliches Leid die Oberhand gewinnt.