Debatte

Christoph Brückl im Gespräch

Christoph Brückl ist zurzeit sicher der bekannteste Jungunternehmer in Wels. Seine Gratis-Zeitung „Die Monatliche“ wird mittlerweile bis über die Stadtgrenzen hinaus gelesen. Wir haben mit ihm gesprochen: über sein Unternehmen, den Liberalismus, den Islam und die FPÖ. Und darüber, warum er für seine Meinungen angefeindet wird.

Herr Brückl, wie kommt man eigentlich in einem Land wie Österreich auf die Idee, ein Unternehmen zu gründen?

(lacht) Ich habe es mir nicht ausgesucht, dass ich in Österreich geboren wurde. Dank unserem sozialistischen Staat Österreich wurde ich bereits mit 14 behindert, ein Unternehmen zu gründen. In den Vereinigten Staaten wäre das kein Problem. Aber die sind ja zum Glück nicht halbkommunistisch wie unsere Alpenrepublik.

Sie haben sich eine Branche ausgesucht, die ziemlich in der Krise ist. Es heißt, Print sei tot. Was machen Sie anders als andere?

Ich habe mit Internetfernsehen angefangen. Die Werbekundschaft hat Print verlangt. Print ist international am absterbenden Ast, aber wir leben in Österreich. Unser Land hinkt generell hinterher.

Ohne Förderungen und Inserate sind Printmedien heute unmöglich geworden. Wie bleibt man da unabhängig und noch dazu unbequem?

Indem es einem egal ist. Presseförderung erhalten wir keine. Die bekommen hauptsächlich Tageszeitungen. Inseriert wird bei uns, weil wir gelesen werden.

Wenn man in der Monatlichen blättert, merkt man immer wieder, dass Ihnen die Stadt Wels und ihre Zukunft am Herzen liegen.

Es gehört zu meinem Beruf, mir darüber Gedanken zu machen. Aber setzen Sie mich in eine andere Stadt oder beauftragen Sie mich mit einem gewissen Thema, ich werde mich auch damit kritisch auseinandersetzen.

Also keine emotionale Bindung zu Wels?

So etwas muss man sich abgewöhnen.

Als Politiker wären Sie mit dieser Aussage jetzt erledigt.

Als Politiker würde ich auch nicht so antworten.

Würde Sie Politik eigentlich reizen?

Ich bin ein sehr politischer Mensch. Aber ich bin auf der für mich besten Seite. Und das ist die Seite der Medien.

Aber Sie haben eine politische Ideologie?

Man kann mich am ehesten als liberal bezeichnen. Obwohl dieser Begriff ständig missbraucht wird.

Von wem?

Von vielen Seiten. Alleine, dass sich die NEOS als liberale Partei sehen, beweist den Missbrauch dieses Wortes. Auch verwenden Linke gerne das Wort „Neoliberalismus“ und meinen damit eigentlich „Turbokapitalismus“. Selbst Grüne meinen, sie seien eine linksliberale Partei. Dann könnte sich die SPÖ ja gleich auch noch sozialliberal nennen und die Kommunisten den Begriff „gemeinschaftsliberal“ erfinden.

Gerade NEOS verstanden sich doch als liberales Projekt. Ist die Partei nach links gerückt?

NEOS waren auch bei ihrer Gründung nicht liberal. Vielleicht wirtschaftsliberal, aber das war´s dann auch. Das sind sie auch bis heute mehr oder weniger geblieben. Nachdem bei dieser Partei aber keine weitere Ideologie dahintersteckt, wurde diese von den Mitgliedern gefüllt, die im Laufe der Zeit angedockt sind. Und mittlerweile sind NEOS gesellschaftspolitisch nicht mehr wirklich von den Grünen zu unterscheiden. In Wels muss ich aber sagen, dass der NEOS-Gemeinderat durchaus bemüht ist und gute Arbeit macht. Aber das liegt eher an seiner Person als an seiner Partei.

Die Grünen-Chefin hat zur Vollverschleierung von Frauen gemeint, ein Burka-Verbot komme für sie nicht infrage. Viele nennen genau diese Haltung liberal.

Liberal ist es, wenn man religiöse Gruppen nicht bevorzugt und ihnen keine Ausnahmeregelungen zugesteht. Wir würden nicht einmal ein Burka-Verbot benötigen, wenn wir Religion nicht auf ein Podest heben würden, wo sie nicht hingehört und das sie schon gar nicht verdient hat. Religion ist ein Tick, der sich bei manchen zur schwerwiegenden Geisteskrankheit ausweitet.

Wie reagieren Ihre Leser auf Religionskritik?

Ein paar Fanatiker regen sich immer auf, aber das war´s. Außer wenn es um den Islam geht, dann kommen Linke und Moslems und tun so, als hätte man den Weltuntergang eingeleitet. Da können auch schon Morddrohungen kommen. Aber wenn man sich die Meinung verbieten lässt, dann braucht man sich nicht wundern, dass man irgendwann in einer Diktatur aufwacht.

Islamkritik wird oft mit Hassrede gleichgesetzt. Sind Leute wie Cahit Kaya oder Hamid Abdel-Samad Hassredner?

Bin ich ein Hassredner, wenn ich einem Manisch-Depressiven sage, dass er krank ist? Außerdem muss man sich gar nicht rechtfertigen, da diese Vorwürfe nur linke Propaganda sind. Linke glauben, gemeinsam mit den Moslems das verhasste westliche System stürzen zu können – und anschließend die Moslems sozialistisch zu erziehen.

Der Islam ist vitaler als die Linke. Eher wird die Linke islamisiert als der Islam links.

Das ist richtig. Aber hier haben sich Linke schon immer geirrt. Sie haben ja auch damals Khomeini unterstützt.

Ist der Westen am Terrorismus mitschuldig?

Der Westen schafft Voraussetzungen für den Terrorismus, das ist schon richtig. Warum hat man zum Beispiel Gaddafi gestürzt? Libyen hat mit ihm funktioniert. Auch Syrien funktionierte mit Assad. Die meisten Menschenrechtsverletzungen in diesem Gebiet passieren in Saudi Arabien. Das wird aber zufälligerweise nicht angegriffen.

Aber sind deswegen die Täter und die islamische Gesellschaft selbst von ihrer Schuld freigesprochen? Sicher nicht.

Auch in Wels leben viele Menschen aus diesen Ländern. Wie kontrolliert man so ein Konfliktpotenzial?

Das kann man als Kommune gar nicht kontrollieren. Das wäre Aufgabe der Justiz. Diese straft aber nicht mehr, sondern will nur mehr resozialisieren. Das wissen die Täter und nehmen den Staat nicht mehr ernst. Keiner darf sich wundern, wenn dann auch die Opfer den Glauben an den Staat verlieren.

Sind dem neuen Welser Bürgermeister Andreas Rabl also die Hände gebunden?

Ja.

Natürlich muss man dazu sagen, dass die SPÖ nahezu untertänig gegenüber den Migranten war. Das kann man natürlich ändern. Er kann schon kleine Akzente setzen. Aber wenn der Bund Menschen aus aller Welt importiert und die Justiz nicht mehr bestraft, sondern nur resozialisiert, kann der beste Bürgermeister auch nicht viel ausrichten.

Hat die SPÖ das Problem nicht erkannt? Hermann Wimmer war eigentlich ein Mann mit Realitätsbezug.

Bürgermeister vor Andreas Rabl war aber Peter Koits und nicht Hermann Wimmer.

Er hätte seinem Chef widersprechen können, Akzente setzen.

Er hätte die Partei wechseln müssen. Die SPÖ ist durch und durch zersetzt mit Linksextremen.

Ist das der Grund, warum die Grünen in Wels keinerlei Basis haben?

Über solche Kleinigkeiten mache ich mir keine Gedanken.

Das linke Kulturzentrum „Alter Schl8hof“ wird jedenfalls weiterbestehen. Überrascht?

Nein. Es geht ja nicht darum, ein Kulturzentrum zu schließen. Es geht um die zuständigen Personen, die es sich einverleibt haben. Ein städtisches Kulturzentrum muss für alle Richtungen offen sein. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die sehr negative Erlebnisse mit den zuständigen Personen gehabt haben. Es wird davon gesprochen, dass man nur mit der richtigen politischen Einstellung weiterkommt, sonst hast du keine Chance. Wenn es solche Zustände gibt, muss man diese ändern.

Haben sich die Linken in Wels angepasst, damit die Subventionen bleiben?

Selbstverständlich.

Schauen Sie, Wels war immer schon eine Mischung aus Erzkonservativen und Linken. Aber das ist eine andere Sache. Rabl hat die Wahl gewonnen, weil er nicht als ein „echter Blauer“ rüberkam. Rabl ist ein Sachpolitiker, und er ist weder bei einer Burschenschaft noch fühlt er sich im Bierzelt wohl. Kein Mensch würde von ihm denken, dass er nur einen Hauch rechtsradikales Gedankengut hat.

Wie müsste eine Partei aussehen, um Menschen wie Sie anzusprechen?

Es müsste eine liberale Partei sein, die sich aber gleichzeitig für die Souveränität des Staates Österreichs einsetzt. Neben einer kritischen Einstellung zur EU müsste sie auch eine extrem kritische Einstellung zu weltweit agierenden Konzernen und dem Finanzsektor haben. Ein echt souveräner Staat sollte es auch nicht nötig haben, bei privaten Institutionen Geld zu leihen. Wirtschaftlich sollte die Partei eine Vertretung der Klein- und Mittelunternehmen sein. Das Kartellrecht gehört scharf gehalten. Und diese Partei sollte kein Interesse an neuer Einwanderung bzw. zugezogenen Staatsbürgern haben.

Spricht Sie die FPÖ in diesen Punkten an?

Die FPÖ ist beim Thema EU, Asyl, aber auch beim Bürokratieabbau auf dem richtigen Kurs. Jedoch will ich nicht mit einer Zeitmaschine zurück in die 60er-Jahre reisen. Die FPÖ ist mir bei gewissen Themen, die allgemeiner Konsens sind, viel zu rückschrittlich: bei LGBTQ-Themen, in der Drogenpolitik, aber auch bei kommunalpolitischen Themen wie der Förderung der Kultur, der Stadtentwicklung oder des Nachtlebens. Derzeit ist Kulturpolitik in Österreich sehr einseitig links ausgerichtet. Aber auch eine nationalliberale Partei sollte zum Beispiel dem Aktionismus gegenüber aufgeschlossen sein. Hier können sich die Blauen wieder ein Beispiel an Andreas Rabl nehmen: Dieser besitzt selbst Bilder von Hermann Nitsch.

Die meisten Leute wählen die FPÖ deshalb, weil alle anderen Parteien unsere Gesellschaft durch die Invasion von Millionen Menschen anderer Kulturen zerstören wollen. Die meisten wollen am liebsten rund um Österreich eine riesige Mauer, aber innerhalb dieser Mauern auch die Fortschritte genießen, die uns die Linken gebracht haben.

Für so ein liberales Denken gibt es heute wenig Platz in Österreich. Selbst Sie wurden schon als „Nazi“ attackiert.

Jedem, der nicht alle Flüchtlinge aufnehmen will und das öffentlich sagt, wird alles Mögliche vorgeworfen. Und erst recht, wenn man wie ich den Islam kritisiert.

Sie haben sogar Morddrohungen bekommen.

Ja. Ich bekam einmal eine Morddrohung eines Moslems, weil ich mich öffentlich zu Israel bekannt habe. Doch Israel ist der einzige freie demokratische Staat im Nahen Osten. Ich bewundere, wie sich dieser kleine Staat immer wieder gegen Angriffe von außen wehrt und trotzdem auch eines der innovativsten Länder weltweit ist.

Herr Brückl, vielen Dank für dieses Gespräch.