JA!

Von Nicole di Bernardo

Der Bikini – so gut wie jede Frau in Österreich hat einen (oder mehrere) zuhause. Aber das öffentliche Tragen des knappen Zweiteilers war nicht immer erlaubt.

Erst 1953 machten berühmte Botschafterinnen wie Brigitte Bardot und Marilyn Monroe das aus dem Schrank der modernen Frau nicht mehr wegzudenkende Kleidungsstück ,,strandtauglich‘‘. Die Emanzipation der Frau ist historisch also auch mit der Entwicklung des Bikinis verbunden.

Daher ist das Argument, der „Burkini“ würde für muslimische Damen Freiheit bedeuten, da sie sich damit auch an öffentlichen Stränden zeigen könnten, ein Absurdum. In Europa haben Frauen jahrhundertelang dafür gekämpft, sich nicht mehr verhüllen zu müssen – und nun sollen wir uns von einer fremden Kultur Symbole aufdrängen lassen, die mit unseren europäischen Werten nicht konform sind?

Die australische Profi-Schwimmerin und Stummfilm-Star Annette Kellermann wurde 1907 wegen ,,Erregung öffentlichen Ärgernisses‘‘ verhaftet, nachdem sie an einem Strand ein enganliegendes und ärmelfreies Badekostüm trug. Was würde sie wohl zu den heutigen „Burkinis“ sagen, wo doch ihr Fall die Medien so erschütterte, dass die Bekleidungsvorschriften an vielen Stränden gelockert wurden und die Frauen sich nicht mehr gänzlich bedecken mussten? Es war ein erster Anstoß für den Siegeszug des Bikinis und zugleich ein wichtiger Schritt für die Emanzipation der Frauen.

Der „Burkini“ aber ist nichts anderes als eine Burka für den Strand – und somit ein Zeichen der Unterdrückung der Frau. Auch wenn dies von seinen Fürsprechern gerne anders dargestellt wird.

 

 

NEIN!

Von Jörg Mayer

Frauen in Stoffsäcke sperren und sie dann indoktrinieren, dass es zu ihrem Besten sei – Donatien Alphonse François de Sade hätte seine Freude an den Bräuchen, die gerade nach Europa kommen.

Ein Verbot von Burka und Niqab kommt für die politische Linke aber nicht infrage. Wegen „freiwillige Entscheidung“ und so. Nun wird eine Burka-Trägerin zwar kaum eine Perspektive davon haben, wie ihr Leben anders hätte verlaufen können, geschweige denn sich artikulieren können. Aber für Linke ist auch das Religionsfreiheit.

Ich gestehe, ich selbst habe immer geglaubt, bei Religion ginge es um Spiritualität, um Begegnung, um Gedankentiefe.  Dank dem Islam weiß ich, dass es um den Schutz vor dem Anblick einer Frau geht. Und um das politische Signal an die Mitmenschen: Wir gehören nicht zu euch Kuffār, denn wir folgen Allahs Geboten. Was freilich schon für das bloße Kopftuch gilt, von dem übrigens im Koran auch nirgends die Rede ist.

Trotzdem habe ich mit einem „Burkini“-Verbot ein Problem: Unser Zusammenleben regeln nicht nur Rechtsnormen, sondern auch Sozialnormen, und wir brauchen keine neuen Gesetze, um unsere westliche Lebensart zu schützen. Wir müssen kulturfremdes Verhalten lediglich wieder sozial sanktionieren, wie das jede selbstbewusste Kultur tut. Wer in Österreich leben will, hat sich in unserem Sinne anständig aufzuführen. Für orientalische Formen von Anstand stehen alternativ genügend orientalische Länder zur Auswahl.

Ein Verbot von Ganzkörper-Badeanzügen geht an diesem Problem aber vorbei. Es gibt hierzulande keine fest verankerte Sozialnorm, dass Frauen sich so oder so weit ausziehen müssen, und eine Rechtsnorm darüber wäre befremdlich. Auch eine züchtigere Badekleidung wird wohl noch erlaubt sein in Österreich. Oder?