Von Nicole di Bernardo

Frauenrechtlerinnen werden nicht müde immer wieder zu betonen, wie wichtig es sei, dass die moderne Frau dem Mann in jeglichen Belangen gleichgestellt ist und dass sie ein frei nach ihren eigenen Vorstellungen gestaltetes Leben führt. Nur: Inwieweit gelingt dies Frauen heutzutage? Ist die weibliche Emanzipation – vor allem in ihrer absurdesten und extremsten Form, bei der versucht wird, jeglichen Unterschied zwischen den Geschlechtern zu verwischen – vielleicht sogar gescheitert?

Zwar wird die Frau von heute nicht mehr automatisch in die Rolle als ,,reine“ Hausfrau und Mutter gedrängt. Dennoch fühlen wir Frauen uns mit einem Gesellschaftsbild konfrontiert, dessen Erfüllung uns vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Wer sich für eines der vorhandenen Rollenbilder – eingegrenzt auf ,,Karriere-Emanze“ oder ,,Hausmütterchen“ – entscheidet, sieht sich mit den lächerlichsten Kritikpunkten konfrontiert.

So erntete beispielsweise eine junge Journalistin einen „Shitstorm“ in den sozialen Medien, weil sie einen Artikel auf der Website der BBC veröffentlicht hatte, in dem sie erklärte, dass sie keine Kinder bekommen wolle. Von der Behauptung, sie sei ja ahnungslos und werde ihre Einstellung schon noch ändern, über den Vorwurf, sie sei einfach nur egoistisch, bis hin zu wüsten Beschimpfungen – alles musste sie über sich ergehen lassen. Weil sie eine Entscheidung öffentlich kundgetan hatte, die sie für sich selbst getroffen hatte und die ihr als erwachsene Frau wohl zustehen müsste – ohne dass sich die Gesellschaft bemüßigt fühlt, ihr diese in Abrede zu stellen.

Aber auch eine Frau, die sich heute dafür entscheidet, sich auf ihre Familie und Kinder zu konzentrieren, sieht sich mit wahnwitzigen Vorhaltungen konfrontiert: Warum sie es nicht wie viele andere schaffe, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen? Ob es sie nicht störe, von anderen Personen oder gar von ihrem Partner finanziell abhängig zu seien? Die Anschuldigung, sie trete die durch vorherige Generationen hart erkämpfte Emanzipationen mit Füßen, wenn sie sich in dieses Rollenbild „zurückdrängen“ lasse, schwingt bei den Aussagen der selbsternannten ,,Lebensexperten“ stets mit.

Und jene Frauen nun, die versuchen beide Rollenbilder zu erfüllen – ob aus eigenen Wunsch oder auf Zwang des Umfelds hin – sind nicht selten überfordert und ständig in Sorge, bei dem nur kleinsten Fehler den Spiegel vorgehalten zu bekommen, der einem zeigen soll, dass alleine schon die Vorstellung, alles unter einen Hut zu bringen, der erste und größte Fehler von allen war. Und so steht man als junge Frau in der modernen Welt, die von Erwartungen und gesellschaftlichen Zwängen überfüllt ist und die einem jegliches Gefühl von Freiheit entzieht.

Was wäre die Alternative dazu? Vielleicht weg vom Gleichsetzen der Geschlechter, hin zu einer wirklichen Entscheidungsfreiheit für Frauen, in der sowohl die gesetzliche Grundlage als auch das gesellschaftliche Bild die Möglichkeit zur weiblichen Selbstbestimmung gibt. Und zwar unabhängig von vorgefassten Meinungen oder festgesetzten Rollenbildern.

Den einen wie den anderen.